Preisreduktion beim Immobilienverkauf: Wann sie nötig ist – und wie sie sich vermeiden lässt

Warum der richtige Startpreis fast immer wertvoller ist als spätere Korrekturen

Eine Immobilie wird für CHF 1’490’000.– ausgeschrieben. Nach einigen Wochen sinkt der Preis auf CHF 1’450’000.–, später auf CHF 1’390’000.– und schliesslich auf CHF 1’350’000.–. Was bei der Verkaufspartei als schrittweise Annäherung an den Markt gedacht war, löst bei Kaufinteressenten häufig ganz andere Gedanken aus:

Warum verkauft sich die Immobilie nicht? Gibt es einen versteckten Mangel? Ist die Verkaufspartei unter Druck? Wird der Preis bald noch einmal reduziert?

Eine Preisreduktion beim Immobilienverkauf ist deshalb keine neutrale Zahl auf einem Immobilienportal. Sie verändert die Wahrnehmung des Angebots, die Verhandlungsposition der Eigentümerschaft und unter Umständen sogar den am Ende erzielbaren Verkaufspreis.

Aus Sicht von SCALA ® gilt: Eine vermeidbare oder mehrfach notwendige Preisreduktion deutet häufig darauf hin, dass die Immobilie zu Beginn nicht ausreichend genau bewertet, nicht korrekt positioniert oder mit einer unrealistischen Preisvorstellung auf den Markt gebracht wurde.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Preisreduktion automatisch schlechte Arbeit ist. Ändern sich die Marktbedingungen, treten neue Informationen über den Zustand der Immobilie auf oder verändern sich die zeitlichen Ziele der Verkaufspartei, kann eine Preisanpassung sinnvoll und professionell sein.

Entscheidend ist die Ursache.

Der beste Angebotspreis ist nicht der höchste Preis, den man einer Eigentümerschaft versprechen kann. Es ist der höchste Preis, der sich durch Marktdaten, Objektqualität, Nachfrage und Finanzierung nachvollziehbar begründen lässt.

1. Was bedeutet eine Preisreduktion bei einer Immobilie?

Von einer Preisreduktion spricht man, wenn der öffentlich kommunizierte Angebotspreis einer Immobilie während der laufenden Vermarktung gesenkt wird.

Eine solche Anpassung kann wenige Tausend Franken oder einen erheblichen Teil des ursprünglichen Angebotspreises betreffen. Sie kann einmalig und strategisch erfolgen oder sich in mehreren kleinen Schritten über Monate hinziehen.

Gerade diese wiederholten kleinen Reduktionen sind problematisch. Sie vermitteln dem Markt, dass die ursprüngliche Preisfestlegung nicht belastbar war und sich die Verkaufspartei langsam unter Druck setzen lässt.

Interessenten beobachten Immobilienportale sehr aufmerksam. Besonders aktive Käuferinnen und Käufer kennen viele Angebote in ihrer Suchregion. Sie erkennen, wenn eine Immobilie seit Monaten ausgeschrieben ist, mit neuen Überschriften erneut erscheint oder ihr Preis mehrfach angepasst wurde.

Eine Preisreduktion setzt den bisherigen Marktverlauf deshalb nicht auf null. Die Historie des Angebots bleibt in den Köpfen der Interessenten bestehen.

2. Ist eine Preisreduktion immer ein Zeichen schlechter Arbeit?

Nein. Aber eine vermeidbare Preisreduktion ist häufig ein Hinweis auf ungenügende Vorbereitung.

Eine professionelle Immobilienvermarktung sollte vor dem Verkaufsstart insbesondere folgende Fragen beantworten:

  1. Welchen Marktwert besitzt die Immobilie unter realistischen Verkaufsbedingungen?
  2. Welche Preise wurden bei tatsächlich vergleichbaren Objekten erzielt?
  3. Wie hoch ist der Preis, den potenzielle Käufer voraussichtlich finanzieren können?
  4. Wie beurteilen unterschiedliche Banken beziehungsweise deren Bewertungsmodelle die Immobilie?
  5. Wie gross ist die Nachfrage in der relevanten Preis- und Objektkategorie?
  6. Welche Besonderheiten rechtfertigen einen Aufpreis gegenüber statistischen Vergleichswerten?
  7. Welcher Angebotspreis unterstützt die gewählte Verkaufsstrategie?

Werden diese Fragen sorgfältig beantwortet, sollte eine spätere Preisreduktion normalerweise nicht zum eingeplanten Standardablauf gehören.

Schlechte Arbeit liegt insbesondere dann nahe, wenn ein unrealistisch hoher Preis angesetzt wurde, um das Verkaufsmandat zu erhalten, obwohl bereits zu Beginn erkennbar war, dass dieser Preis weder durch Vergleichstransaktionen noch durch Bankbewertungen getragen wird.

Eine gute Maklerin oder ein guter Makler muss bereit sein, eine unrealistische Preisvorstellung sachlich zu hinterfragen. Die Aufgabe besteht nicht darin, der Eigentümerschaft die angenehmste Zahl zu nennen. Die Aufgabe besteht darin, einen erfolgreichen Verkauf mit möglichst gutem Ergebnis vorzubereiten.

3. Warum der erste Marktauftritt so entscheidend ist

Die Anfangsphase einer Immobilienvermarktung ist besonders wertvoll. In dieser Zeit erreicht das Angebot nicht nur neue Interessenten, sondern auch jene Personen, die bereits seit Wochen oder Monaten aktiv nach einer passenden Immobilie suchen.

Diese Käuferinnen und Käufer haben Suchabonnemente eingerichtet, kennen das Preisniveau der Region und reagieren häufig schnell auf ein neues Angebot.

Ist die Immobilie korrekt positioniert, können in dieser ersten Phase mehrere qualifizierte Interessenten gleichzeitig angesprochen werden. Dadurch entsteht eine gute Ausgangslage für Besichtigungen, Verhandlungen oder – bei entsprechender Nachfrage – ein strukturiertes Bieterverfahren.

Ist der Startpreis dagegen deutlich zu hoch, bleibt diese erste Aufmerksamkeit möglicherweise ohne Ergebnis. Die Immobilie wird zwar gesehen, aber nicht näher geprüft. Viele Interessenten sortieren sie bereits aufgrund des Preises aus.

Wird der Preis später reduziert, kann die verlorene Dynamik oft nicht vollständig wiederhergestellt werden. Die Immobilie ist dann kein attraktives neues Angebot mehr, sondern ein bereits bekanntes Objekt, das sich bislang nicht verkaufen liess.

4. Angebotspreis, Marktwert, Bankwert und Verkaufspreis sind nicht dasselbe

Bei der Preisfestlegung werden unterschiedliche Begriffe häufig vermischt. Für eine professionelle Verkaufsstrategie müssen sie klar voneinander getrennt werden.

Der Marktwert

Der Marktwert beschreibt den Preis, der unter normalen Bedingungen und bei angemessener Vermarktungsdauer voraussichtlich am Markt erzielt werden kann.

Er ist kein unveränderlicher Fixbetrag, sondern bewegt sich innerhalb eines realistischen Wertkorridors. Wie dieser Korridor ermittelt wird, erläutern wir ausführlich in unserem Beitrag zum Marktwert einer Immobilie.

Der Angebotspreis

Der Angebotspreis ist der öffentlich kommunizierte Einstiegspreis. Er kann je nach Verkaufsstrategie leicht über, innerhalb oder in bestimmten Fällen auch unter dem erwarteten Marktwert liegen.

Der Angebotspreis ist somit ein strategisches Instrument. Er darf jedoch nicht beliebig vom realistischen Marktwert abweichen.

Der bankseitige Immobilienwert

Die finanzierende Bank nimmt eine eigene Beurteilung der Immobilie vor. Diese Bewertung dient der Risikoprüfung und bildet eine wichtige Grundlage für die mögliche Höhe der Hypothek.

Der Bankwert muss nicht identisch mit dem Angebotspreis oder dem späteren Verkaufspreis sein. Er ist für den Verkauf dennoch von grosser Bedeutung, weil die meisten Käuferinnen und Käufer auf eine Hypothekarfinanzierung angewiesen sind.

Der Verkaufspreis

Der Verkaufspreis ist der Preis, auf den sich die Vertragsparteien tatsächlich einigen und der im öffentlich beurkundeten Kaufvertrag festgehalten wird.

Erst der Verkaufspreis zeigt, welchen Betrag eine konkrete Käuferschaft unter den gegebenen Bedingungen tatsächlich zu bezahlen bereit war.

5. Warum ein möglichst hoher Startpreis nicht automatisch vorteilhaft ist

Der Gedanke ist nachvollziehbar: Man beginnt mit einem hohen Preis und kann später immer noch reduzieren.

In der Praxis ist diese Strategie mit erheblichen Risiken verbunden.

Ein zu hoher Angebotspreis schützt den Immobilienwert nicht. Er kann vielmehr verhindern, dass sich genügend qualifizierte Interessenten mit dem Objekt beschäftigen. Damit fehlt der Wettbewerb, der für einen guten Verkaufspreis besonders wertvoll wäre.

Ein Beispiel:

Der realistisch begründbare Wertkorridor einer Immobilie liegt ungefähr zwischen CHF 1’200’000.– und CHF 1’260’000.–. Die Immobilie wird dennoch für CHF 1’390’000.– ausgeschrieben.

Interessenten mit einem Budget bis CHF 1’300’000.– sehen das Angebot möglicherweise gar nicht, weil es ausserhalb ihres Suchfilters liegt. Interessenten, die bis CHF 1’400’000.– suchen, vergleichen die Immobilie hingegen mit grösseren, moderneren oder besser gelegenen Objekten.

Das Resultat ist ungünstig: Für die eine Zielgruppe ist die Immobilie unsichtbar, für die andere bietet sie zu wenig Leistung für den verlangten Preis.

Nach zwei oder drei Monaten wird der Preis auf CHF 1’290’000.– reduziert. Nun erreicht das Angebot zwar eine passendere Zielgruppe, wird von vielen Marktteilnehmern aber bereits als älteres oder problematisches Inserat wahrgenommen.

Der ursprünglich zu hohe Preis hat keinen Mehrwert geschaffen. Er hat wertvolle Vermarktungszeit gekostet.

6. Weshalb ausgeschriebene Preise keine zuverlässigen Vergleichswerte sind

Eine häufige Ursache unrealistischer Preisvorstellungen sind andere Verkaufsinserate.

Eigentümer sehen ein ähnliches Haus oder eine ähnliche Wohnung zu einem bestimmten Preis auf einem Immobilienportal und schliessen daraus, dass auch ihre Immobilie mindestens diesen Wert besitzen müsse.

Dabei wird übersehen: Ein Inserat zeigt lediglich, welchen Preis jemand verlangt. Es zeigt nicht, ob dieser Preis jemals bezahlt wird.

Gerade lange ausgeschriebene oder überteuerte Immobilien sind auf Portalen besonders sichtbar. Erfolgreich positionierte Objekte verschwinden dagegen häufig schneller wieder. Dadurch kann bei der Marktbeobachtung ein verzerrtes Bild entstehen.

Für eine fundierte Immobilienbewertung sind deshalb tatsächliche Transaktionsdaten, geeignete Vergleichsobjekte, die Mikrolage, der bauliche Zustand und die aktuelle Nachfrage wichtiger als einzelne öffentlich ausgeschriebene Angebotspreise.

7. Die genaue Bewertung ist die wichtigste Grundlage

Eine belastbare Bewertung besteht nicht aus einer einzigen automatisch erzeugten Zahl.

Moderne Bewertungsmodelle sind wertvolle Instrumente. Besonders bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern mit ausreichend vergleichbaren Transaktionen liefern hedonische Modelle eine gute statistische Grundlage.

Dabei wird die Immobilie anhand zahlreicher Objekt- und Lageeigenschaften mit tatsächlich verkauften Liegenschaften verglichen. Nach Angaben von Raiffeisen zur Immobilienbewertung setzen Banken solche hedonischen Verfahren bei der Finanzierung von gewöhnlichem Wohneigentum häufig als Hauptmethode ein.

Doch auch ein leistungsfähiges Modell sieht nicht alles.

Die Aussicht aus dem Wohnzimmer, die Qualität einer Renovation, störender Verkehr zu bestimmten Tageszeiten, eine aussergewöhnlich gute Besonnung, der Zustand der gemeinschaftlichen Gebäudeteile oder die tatsächliche Nutzbarkeit eines Grundrisses lassen sich statistisch nur teilweise erfassen.

Eine professionelle Bewertung sollte deshalb mehrere Ebenen miteinander verbinden:

  • statistische und banknahe Bewertungsmodelle,
  • tatsächliche Vergleichstransaktionen,
  • eine Besichtigung und qualitative Objektbeurteilung,
  • eine Analyse der Mikro- und Makrolage,
  • die aktuelle Konkurrenzsituation,
  • die voraussichtliche Zielgruppe,
  • die Finanzierbarkeit des vorgesehenen Angebotspreises,
  • und die konkrete Verkaufsstrategie.

Erst aus dieser Gesamtsicht entsteht ein belastbarer Preisrahmen.

8. Warum zwei bis drei Bankschätzungen heute sinnvoll sein können

Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, vor der definitiven Preisfestlegung nach Möglichkeit zwei bis drei voneinander unabhängige, bankkompatible Bewertungen beziehungsweise Einschätzungen zu berücksichtigen.

Warum reicht eine einzige Bewertung nicht immer aus?

Banken und Bewertungsanbieter arbeiten nicht zwingend mit identischen Modellen, Vergleichsdaten und Beurteilungsparametern. Auch die Gewichtung einzelner Objektmerkmale kann unterschiedlich ausfallen.

Eine Bank kann beispielsweise einen höheren Wert ansetzen als eine andere. Solche Abweichungen bedeuten nicht automatisch, dass eine Bewertung richtig und die andere falsch ist. Sie zeigen vielmehr, dass Immobilienbewertungen immer mit einer gewissen Bandbreite verbunden sind.

Zwei bis drei banknahe Einschätzungen helfen dabei:

  • auffällige Ausreisser zu erkennen,
  • einen plausiblen Finanzierungskorridor zu bestimmen,
  • die Abhängigkeit von einem einzelnen Modell zu reduzieren,
  • besondere Objektmerkmale gezielter zu hinterfragen,
  • und frühzeitig zu erkennen, ob der geplante Angebotspreis für viele Käufer finanzierbar sein dürfte.

Wichtig ist jedoch: Drei Ergebnisse sollten nicht einfach addiert und durch drei geteilt werden.

Liefern die Bewertungen beispielsweise CHF 1’160’000.–, CHF 1’210’000.– und CHF 1’300’000.–, muss geklärt werden, weshalb die Differenz so gross ist. Wurden Wohn- und Nebenflächen identisch erfasst? Wurde der Renovationsstand korrekt berücksichtigt? Sind die Grundstücks-, Lage- und Objektdaten vollständig? Handelt es sich bei einem Ergebnis möglicherweise um einen statistischen Ausreisser?

Die unterschiedlichen Bewertungen sind der Ausgangspunkt einer fachlichen Analyse – nicht deren Ersatz.

9. Weshalb ein finanzierbarer Preis für den Verkauf entscheidend ist

Eine Immobilie kann am Markt nur dann zu einem bestimmten Preis verkauft werden, wenn eine Käuferin oder ein Käufer diesen Preis bezahlen kann und will.

Bei den meisten Eigenheimkäufen spielt die Bankfinanzierung eine zentrale Rolle. In der Schweiz müssen Käufer für selbst genutztes Wohneigentum in der Regel mindestens 20 Prozent Eigenmittel einbringen. Zusätzlich prüft die Bank die langfristige Tragbarkeit der Finanzierung. Eine verbreitete Grundregel besagt, dass die kalkulatorischen Wohnkosten nicht mehr als ungefähr ein Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen sollten. Die konkrete Prüfung und Kreditentscheidung bleibt jedoch immer Sache des jeweiligen Finanzinstituts. Einen aktuellen Überblick bietet die UBS zur Immobilienfinanzierung und zum erforderlichen Eigenkapital.

Besonders relevant ist das sogenannte Niederstwertprinzip.

Dabei wird grundsätzlich der tiefere Wert aus Kaufpreis und bankseitig ermitteltem Immobilienwert als Basis für die Belehnung verwendet. Liegt der Kaufpreis über dem von der Bank akzeptierten Wert, muss die Differenz im Normalfall zusätzlich mit Eigenmitteln finanziert werden. Auch Raiffeisen erläutert den Zusammenhang zwischen Belehnungswert, Kaufpreis und Eigenmitteln.

Genau hier zeigt sich, weshalb ein theoretisch hoher Verkaufspreis noch lange kein breit finanzierbarer Verkaufspreis ist.

10. Ein vereinfachtes Finanzierungsbeispiel

Angenommen, eine Immobilie wird für CHF 1’300’000.– verkauft. Die finanzierende Bank bewertet das Objekt jedoch lediglich mit CHF 1’200’000.–.

Bei einer angenommenen maximalen Belehnung von 80 Prozent des bankseitig akzeptierten Werts würde die Hypothek höchstens CHF 960’000.– betragen.

Die Käuferschaft müsste somit CHF 340’000.– aus eigenen Mitteln aufbringen:

CHF 240’000.– entsprechen 20 Prozent des Bankwerts. Hinzu kommen CHF 100’000.– Differenz zwischen Bankwert und Kaufpreis.

Hätte die Käuferschaft ursprünglich mit 20 Prozent des Kaufpreises gerechnet, wären dies CHF 260’000.– gewesen. Durch die tiefere Bankbewertung werden in diesem vereinfachten Beispiel zusätzliche CHF 80’000.– an Eigenmitteln benötigt.

Nicht jede kaufbereite Person verfügt über diesen zusätzlichen Betrag.

Ein Angebotspreis, der von mehreren Banken deutlich unterschritten wird, verkleinert deshalb den Kreis finanzierungsfähiger Käufer. Übrig bleiben hauptsächlich Personen mit überdurchschnittlich hohen freien Eigenmitteln.

Das kann bei einer aussergewöhnlichen Luxus- oder Liebhaberimmobilie durchaus Teil der Strategie sein. Bei einem gewöhnlichen Einfamilienhaus oder einer Eigentumswohnung wird dadurch jedoch möglicherweise ein grosser Teil der eigentlichen Zielgruppe ausgeschlossen.

11. Der höchste finanzierbare Preis ist nicht zwingend der Marktwert

Die Bankbewertung ist sehr wichtig, aber sie ist nicht mit dem bestmöglichen Verkaufspreis gleichzusetzen.

Eine Bank bewertet die Immobilie aus Sicht der Finanzierung und des Kreditrisikos. Die Verkaufsstrategie verfolgt eine andere Frage: Welchen Preis ist der Markt unter den aktuellen Bedingungen tatsächlich bereit zu bezahlen?

Ein Objekt kann deshalb über einem einzelnen Bankwert verkauft werden. Entscheidend ist, ob genügend Interessenten vorhanden sind, welche die Differenz mit zusätzlichen Eigenmitteln finanzieren können und wollen.

Umgekehrt bedeutet ein hoher Bankwert nicht automatisch, dass sich sofort eine Käuferschaft zu diesem Preis findet. Auch Nachfrage, Präsentation, Zeitpunkt, Objektzustand und Konkurrenzangebote beeinflussen das tatsächliche Verkaufsergebnis.

Die Aufgabe einer professionellen Preisstrategie besteht deshalb darin, Bankwert und Marktwert nicht zu verwechseln, sondern sinnvoll miteinander zu verbinden.

12. Warum Banken zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können

Auch bei korrekten Objektdaten können Bankschätzungen voneinander abweichen.

Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen:

Unterschiedliche Bewertungsmodelle

Nicht alle Finanzinstitute verwenden dasselbe Modell oder dieselbe Datenbasis. Die Vergleichstransaktionen und statistischen Gewichtungen können unterschiedlich sein.

Unterschiedliche Erfassungszeitpunkte

Immobilienmärkte verändern sich. Ein Modell, das mit neueren Transaktionen arbeitet, kann zu einem anderen Ergebnis gelangen als eine Bewertung mit älteren Vergleichsdaten.

Abweichende Objektdaten

Bereits kleine Unterschiede bei Wohnfläche, Grundstücksfläche, Baujahr, Renovationsstand, Anzahl Nasszellen oder Parkplatzsituation können den berechneten Wert beeinflussen.

Besondere Eigenschaften

Eine unverbaubare Seesicht, ein aussergewöhnliches Grundstück, eine hochwertige Architektur oder eine schwierige Zufahrt können von statistischen Modellen unterschiedlich gut erfasst werden.

Interne Risikobeurteilung

Die endgültige Finanzierungsentscheidung kann zusätzlich von den internen Vorgaben des jeweiligen Finanzinstituts und von der persönlichen Situation der Käuferschaft abhängen.

Zwei bis drei Bewertungen bieten daher keine Garantie, dass jede spätere Käuferbank exakt denselben Wert akzeptieren wird. Sie verbessern jedoch die Grundlage, um den vorgesehenen Angebotspreis auf seine allgemeine Finanzierbarkeit zu prüfen.

13. Wann hedonische Bewertungen an ihre Grenzen gelangen

Bei Standardobjekten mit vielen vergleichbaren Transaktionen sind hedonische Bewertungen ausgesprochen hilfreich. Das gilt insbesondere für gewöhnliche Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser.

Bei besonderen Immobilien ist mehr Vorsicht erforderlich.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Luxusimmobilien,
  • historische Liegenschaften,
  • architektonische Einzelobjekte,
  • Häuser mit aussergewöhnlich grossen Grundstücken,
  • stark renovationsbedürftige Objekte,
  • Liegenschaften mit Entwicklungspotenzial,
  • gemischt genutzte Immobilien,
  • oder Objekte mit rechtlichen und baulichen Besonderheiten.

Je weniger vergleichbare Transaktionen existieren, desto grösser ist die statistische Unsicherheit. Auch die UBS weist bei der hedonischen Schätzung darauf hin, dass dieses Verfahren besonders für marktgängige Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser geeignet ist.

Bei speziellen Immobilien müssen Modellwerte durch eine vertiefte Vor-Ort-Beurteilung, eine Substanzwertanalyse, eine Potenzialbetrachtung oder – bei Renditeobjekten – eine Ertragswert- beziehungsweise DCF-Bewertung ergänzt werden.

14. Welche Folgen ein zu hoher Angebotspreis haben kann

Eine Überbewertung wirkt sich nicht nur auf die Anzahl Anfragen aus. Sie kann den gesamten Verkaufsprozess beeinträchtigen.

Die richtige Zielgruppe wird nicht erreicht

Immobiliensuchende arbeiten mit Preisfiltern. Liegt der Angebotspreis ausserhalb des realistischen Budgets, erscheint die Immobilie bei passenden Interessenten möglicherweise nicht.

Die Immobilie verliert ihren Neuigkeitswert

Bleibt das Objekt lange online, sinkt die Aufmerksamkeit. Ein später reduzierter Preis erzeugt nicht zwingend dieselbe Wirkung wie ein von Anfang an korrekt positioniertes Angebot.

Interessenten werden skeptisch

Mehrere Preisreduktionen können Fragen auslösen. Käufer vermuten Mängel, eine problematische Dokumentation oder zunehmenden Verkaufsdruck.

Die Verhandlungsposition verschlechtert sich

Wenn Interessenten erkennen, dass der Preis bereits mehrfach gesenkt wurde, warten manche bewusst auf die nächste Reduktion oder geben deutlich tiefere Angebote ab.

Gute Vergleichsobjekte werden verkauft

Während ein überteuertes Objekt am Markt bleibt, können konkurrenzierende Immobilien mit realistischer Preisgestaltung verkauft werden. Die verbleibenden Angebote bilden danach möglicherweise ein ungünstigeres Umfeld.

Die Verkaufspartei trägt zusätzliche Kosten

Eine längere Vermarktungsdauer kann Hypothekarzinsen, Unterhalt, Versicherungen, Nebenkosten und gegebenenfalls Kosten für eine bereits erworbene neue Immobilie verursachen.

Die emotionale Belastung steigt

Jede erfolglose Besichtigung und jede weitere Preisdiskussion kann die Unsicherheit der Eigentümerschaft erhöhen. Entscheidungen werden dann zunehmend unter Zeitdruck getroffen.

15. Die gefährliche Preisreduktionsspirale

Besonders problematisch ist eine Abfolge kleiner, nicht ausreichend begründeter Preissenkungen.

Zunächst wird der Preis nur geringfügig reduziert. Da sich dadurch weder die Zielgruppe noch die Marktposition wesentlich verändern, bleibt die gewünschte Reaktion aus. Einige Wochen später folgt die nächste Reduktion.

Interessenten lernen dabei, dass Warten belohnt wird.

Statt eine neue Nachfrage zu schaffen, kann eine solche Entwicklung dazu führen, dass potenzielle Käufer weitere Preissenkungen erwarten. Die Immobilie wird nicht attraktiver, sondern zunehmend als verhandelbar wahrgenommen.

Wenn eine Preisanpassung notwendig ist, sollte sie deshalb nicht kosmetisch sein. Sie muss das Angebot in einen nachweislich tragfähigen Preiskorridor bringen und idealerweise mit einer umfassenden Neupositionierung verbunden werden.

Eine einzige nachvollziehbare Korrektur kann professionell sein. Eine Serie planloser Reduktionen ist es selten.

16. Woran erkennt man, dass der Preis möglicherweise zu hoch ist?

Nicht jede ausbleibende Anfrage bedeutet automatisch, dass der Preis falsch ist. Auch eine schwache Präsentation, fehlende Dokumente oder eine ungeeignete Vermarktung können die Ursache sein.

Bestimmte Reaktionsmuster liefern jedoch wichtige Hinweise.

Viele Aufrufe, aber kaum Anfragen

Das Angebot wird gesehen, überzeugt aber nicht ausreichend, um den nächsten Schritt auszulösen. Häufig stimmt das wahrgenommene Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

Anfragen, aber keine Besichtigungen

Interessenten beschäftigen sich kurz mit dem Objekt, ziehen sich nach Erhalt der Unterlagen jedoch zurück. Neben dem Preis können dabei der Zustand, Grundriss, Renovationsbedarf oder fehlende Informationen eine Rolle spielen.

Besichtigungen, aber keine Angebote

Die Vermarktung und das Inserat erzeugen grundsätzlich Interesse. Vor Ort entspricht die Immobilie jedoch möglicherweise nicht den Erwartungen, die durch Preis und Präsentation entstanden sind.

Eine sorgfältige Vorbereitung der Immobilienbesichtigung ist deshalb ebenso wichtig wie die Preisgestaltung.

Mehrere Angebote liegen in einem ähnlichen tieferen Bereich

Wenn voneinander unabhängige Interessenten ungefähr denselben tieferen Preis nennen, sollte dieses Signal ernst genommen werden. Es kann zeigen, wo der aktuelle Markt die Immobilie tatsächlich einordnet.

Finanzierungsbestätigungen scheitern wiederholt

Sind Käufer grundsätzlich interessiert, erhalten aber aufgrund der Objektbewertung keine ausreichende Finanzierung, besteht möglicherweise eine relevante Lücke zwischen Angebotspreis und bankseitig akzeptiertem Wert.

Vergleichbare Immobilien werden schneller verkauft

Werden ähnliche Objekte in der Region erfolgreich veräussert, während das eigene Angebot stehen bleibt, sollten Preis, Präsentation und Objektqualität erneut miteinander verglichen werden.

Entscheidend ist immer die Gesamtheit der Signale. Einzelne Rückmeldungen dürfen nicht überbewertet werden, wiederkehrende Muster hingegen schon.

17. Wann eine Preisreduktion berechtigt sein kann

Auch eine sorgfältige Vorbereitung kann nicht jede Entwicklung vorhersehen. Eine Preisanpassung kann professionell und notwendig sein, wenn sich die Ausgangslage wesentlich verändert.

Neue Erkenntnisse über die Immobilie

Werden während des Verkaufs erhebliche Mängel, rechtliche Einschränkungen, Altlasten, eine fehlerhafte Flächenangabe oder unerwartet hohe Sanierungskosten bekannt, muss die Preisgrundlage überprüft werden.

Deutlich veränderte Marktbedingungen

Zinsentwicklung, Kreditbedingungen, wirtschaftliche Unsicherheit oder ein plötzlich grösseres Konkurrenzangebot können die Nachfrage in einer bestimmten Preiskategorie verändern.

Veränderte zeitliche Ziele

Muss die Immobilie aufgrund einer persönlichen, familiären oder finanziellen Situation schneller verkauft werden, kann ein tieferer Preis sinnvoll sein, um die Vermarktungsdauer zu verkürzen.

Neue belastbare Marktdaten

Zeigen aktuelle Transaktionen oder mehrere unabhängige Bewertungen, dass die ursprüngliche Einschätzung zu hoch war, ist eine klare Korrektur besser als das Festhalten an einer widerlegten Annahme.

Bewusst definierte Testphase

Bei schwer bewertbaren Spezialimmobilien kann eine begrenzte Marktphase mit vorab festgelegtem Auswertungszeitpunkt gerechtfertigt sein. Eine solche Strategie muss jedoch transparent geplant und mit klaren Entscheidungskriterien verbunden werden.

18. Wann der Preis nicht vorschnell reduziert werden sollte

Eine schwache Nachfrage muss zuerst diagnostiziert werden.

Bevor der Angebotspreis gesenkt wird, sollten unter anderem folgende Punkte geprüft werden:

  • Sind die Verkaufsunterlagen vollständig und überzeugend?
  • Sind Grundrisse, Flächen und Objektangaben korrekt?
  • Zeigen die Fotografien die Immobilie hochwertig und realistisch?
  • Ist die Beschreibung konkret oder besteht sie hauptsächlich aus austauschbaren Werbeformulierungen?
  • Wird die richtige Zielgruppe angesprochen?
  • Sind Besichtigungen gut organisiert?
  • Werden Anfragen schnell und professionell bearbeitet?
  • Wurden Interessenten systematisch nach ihren Gründen für eine Absage gefragt?
  • Ist die Immobilie auf den relevanten Kanälen sichtbar?
  • Gibt es rechtliche, bauliche oder finanzielle Fragen, die Interessenten verunsichern?

Ein angemessener Preis kann eine mangelhafte Vermarktung nicht vollständig kompensieren. Umgekehrt kann auch die beste Präsentation keinen deutlich überhöhten Preis dauerhaft rechtfertigen.

Preis, Produkt und Vermarktung müssen zusammenpassen.

19. Wie eine notwendige Preisanpassung professionell umgesetzt wird

Ist eine Preisreduktion nach sorgfältiger Analyse erforderlich, sollte sie als strategische Neupositionierung verstanden werden.

Zuerst die Ursache bestimmen

Es muss klar sein, ob das Problem tatsächlich der Preis ist oder ob Unterlagen, Präsentation, Zielgruppenansprache, Besichtigungen oder rechtliche Unsicherheiten den Verkauf behindern.

Den neuen Preis aus Daten ableiten

Die neue Preisfestlegung sollte auf aktuellen Vergleichstransaktionen, Marktreaktionen, Bankbewertungen und den bisherigen Rückmeldungen qualifizierter Interessenten beruhen.

Nicht in beliebigen Kleinstschritten reduzieren

Eine zu kleine Anpassung verändert die Marktposition möglicherweise nicht. Der neue Preis sollte einen relevanten Suchbereich erschliessen und innerhalb eines nachvollziehbaren Wertkorridors liegen.

Preisgrenzen auf Immobilienportalen beachten

Viele Interessenten suchen beispielsweise bis CHF 1’000’000.–, CHF 1’250’000.– oder CHF 1’500’000.–. Ein Preis knapp oberhalb einer solchen Grenze kann dazu führen, dass das Angebot bei einer wichtigen Käufergruppe nicht erscheint.

Die Preisgrenze darf nicht zum einzigen Entscheidungskriterium werden. Sie sollte bei der strategischen Positionierung aber berücksichtigt werden.

Die Vermarktung gleichzeitig überarbeiten

Neue Fotografien, ein klarerer Verkaufstext, bessere Grundrisse, zusätzliche Unterlagen oder eine präzisere Zielgruppenansprache können die Wirkung der Preisanpassung unterstützen.

Die Kommunikation kontrollieren

Bereits bekannte Interessenten sollten gezielt über die neue Ausgangslage informiert werden. Dabei sollte die Anpassung nicht wie ein Notverkauf wirken, sondern sachlich und nachvollziehbar kommuniziert werden.

20. Weshalb der höchste Makler-Schätzwert nicht automatisch der beste ist

Eigentümer holen häufig mehrere Maklermeinungen ein. Das ist grundsätzlich sinnvoll.

Problematisch wird es, wenn die Auswahl ausschliesslich danach erfolgt, wer den höchsten möglichen Verkaufspreis nennt.

Ein hoher Schätzwert klingt attraktiv und kann bei der Mandatsvergabe den Ausschlag geben. Wird dieser Wert jedoch nicht durch Daten, Objektmerkmale und Finanzierungsmöglichkeiten gestützt, entsteht für die Verkaufspartei ein erhebliches Risiko.

Ein professioneller Bewertungsbericht sollte deshalb nicht nur eine Zahl enthalten. Er sollte erklären:

  • welche Vergleichsobjekte verwendet wurden,
  • ob es sich um Angebots- oder Transaktionsdaten handelt,
  • welche Objektmerkmale den Wert erhöhen oder reduzieren,
  • welchen Einfluss die Mikrolage besitzt,
  • welche Unsicherheiten bestehen,
  • welchen Wertkorridor unterschiedliche Modelle ergeben,
  • wie der geplante Preis durch Banken beurteilt werden könnte,
  • und welche Verkaufsstrategie empfohlen wird.

Der Makler mit der höchsten Zahl ist nicht zwingend der Makler mit der besten Strategie.

Gute Beratung kann auch bedeuten, einer Eigentümerschaft respektvoll zu widersprechen.

21. Der richtige Angebotspreis ist immer Teil einer Strategie

Der optimale Angebotspreis lässt sich nicht losgelöst von der gewünschten Verkaufsform bestimmen.

Klassischer Verkauf mit Verhandlungsspielraum

Hier kann ein moderater, sachlich begründbarer Verhandlungsspielraum berücksichtigt werden. Dieser darf jedoch nicht so gross sein, dass die Immobilie in einer falschen Vergleichsgruppe erscheint.

Verkauf mit fixer Preisvorstellung

Ein klar definierter Preis kann sinnvoll sein, wenn die Bewertung besonders belastbar ist und eine unnötige Verhandlung vermieden werden soll.

Verkauf im Bieterverfahren

Bei hoher Nachfrage kann ein professionell organisiertes Bieterverfahren einen transparenten Wettbewerb zwischen qualifizierten Interessenten ermöglichen.

Ein Bieterverfahren eignet sich jedoch nicht dazu, eine überteuerte Immobilie künstlich attraktiver erscheinen zu lassen. Es funktioniert am besten, wenn der Einstiegspreis nachvollziehbar ist, genügend Nachfrage besteht und die Finanzierung der Interessenten früh geprüft wird.

Mehr dazu erfahren Eigentümer in unserem Ratgeber zum Bieterverfahren beim Immobilienverkauf in der Schweiz.

Diskrete oder Off-Market-Vermarktung

Bei besonders hochwertigen oder sensiblen Immobilien kann eine diskrete Ansprache ausgewählter Kaufinteressenten sinnvoll sein. Auch hier bleibt eine realistische Bewertung entscheidend, da vermögende Käufer nicht automatisch bereit sind, jeden beliebigen Preis zu akzeptieren.

22. Besonderheiten bei verschiedenen Immobilienarten

Eigentumswohnungen

Bei Eigentumswohnungen lassen sich häufig gute Vergleichswerte ermitteln. Dennoch müssen Stockwerk, Aussicht, Ausrichtung, Lift, Balkon, Parkplatz, Erneuerungsfonds, Nebenkosten und Zustand der gemeinschaftlichen Gebäudeteile berücksichtigt werden.

Eine Wohnung im selben Gebäude kann einen deutlich anderen Wert besitzen als eine andere Einheit.

Einfamilienhäuser

Bei Einfamilienhäusern spielen Grundstück, Privatsphäre, Besonnung, Erweiterungsmöglichkeiten, Gebäudesubstanz und Renovationsbedarf eine besonders wichtige Rolle.

Die Finanzierung kann schwieriger werden, wenn der gewünschte Preis stark auf emotionalen oder nur schwer quantifizierbaren Eigenschaften beruht.

Bauland und Grundstücke

Bei Grundstücken sind Ausnützung, Zonenvorschriften, Erschliessung, Dienstbarkeiten, Altlasten, Form und mögliche Bebauung entscheidend. Eine rein hedonische Standardschätzung reicht hier meist nicht aus.

Mehrfamilienhäuser und Renditeobjekte

Bei Renditeimmobilien stehen Ertrag, Leerstandsrisiko, Kostenstruktur, Mietzinspotenzial und Kapitalisierung im Zentrum. Eine Preisreduktion kann notwendig werden, wenn der verlangte Preis keine marktgerechte Rendite mehr ermöglicht.

Luxus- und Liebhaberobjekte

Bei aussergewöhnlichen Immobilien ist der Kreis möglicher Käufer kleiner. Gleichzeitig können besondere Merkmale einen Preis rechtfertigen, den statistische Modelle nicht vollständig abbilden.

Hier müssen Zielgruppe, Vermarktungsdauer und Eigenmittelausstattung besonders sorgfältig beurteilt werden.

23. Warum die lokale Marktkenntnis unverzichtbar bleibt

Immobilienmärkte sind lokal. Selbst innerhalb derselben Gemeinde können wenige hundert Meter erhebliche Wertunterschiede verursachen.

Seesicht, Besonnung, Lärm, Hanglage, Quartiercharakter, Schulen, Steuerfuss, öffentlicher Verkehr und zukünftige Bauprojekte können die Nachfrage beeinflussen.

Eine Preisstrategie für eine Eigentumswohnung in Meilen lässt sich deshalb nicht unverändert auf ein Einfamilienhaus in Wetzikon oder Rapperswil-Jona übertragen.

Für Eigentümer bieten wir vertiefende lokale Informationen unter anderem zur:

SCALA ® begleitet Immobilienverkäufe insbesondere im Kanton Zürich, am Zürichsee, im Zürcher Oberland sowie in der Oberseeregion in den Kantonen Schwyz und St. Gallen.

24. Was Eigentümer tun können, wenn ihre Immobilie bereits zu lange angeboten wird

Eine lange Vermarktungsdauer bedeutet nicht, dass nur noch eine drastische Preissenkung möglich ist.

Zunächst sollte der bisherige Verkaufsprozess vollständig ausgewertet werden.

Verkaufsunterlagen prüfen

Sind Grundbuchauszug, Gebäudeversicherungsnachweis, Pläne, Flächenangaben, Renovationsübersicht und bei Stockwerkeigentum die relevanten Protokolle sowie Angaben zum Erneuerungsfonds vorhanden?

Unsere Checkliste für den Immobilienverkauf zeigt, welche Grundlagen frühzeitig vorbereitet werden sollten.

Vermarktungsdaten analysieren

Wie viele Personen haben das Inserat angesehen? Wie viele haben Unterlagen angefordert? Wie viele Besichtigungen fanden statt? Welche Gründe wurden für Absagen genannt?

Ohne diese Auswertung ist eine Preisentscheidung weitgehend spekulativ.

Neue Bewertung erstellen lassen

Die ursprüngliche Bewertung sollte mit aktuellen Daten überprüft werden. Dabei sind zwei bis drei bankkompatible Einschätzungen besonders hilfreich.

Finanzierung testen

Bei ernsthaften Interessenten kann geprüft werden, ob der geplante Kaufpreis von deren Finanzierungspartner grundsätzlich mitgetragen wird.

Konkurrenz neu beurteilen

Welche vergleichbaren Objekte sind inzwischen verkauft worden? Welche sind weiterhin ausgeschrieben? Welche neuen Angebote sind hinzugekommen?

Verkaufsstrategie neu aufsetzen

Erst danach sollte entschieden werden, ob der Preis angepasst, die Präsentation erneuert, die Zielgruppe verändert oder das Objekt vorübergehend vom Markt genommen und später neu lanciert wird.

Ein blosses Ersetzen der Titelbilder oder Umschreiben weniger Sätze löst ein grundlegendes Preisproblem nicht.

25. So verbindet SCALA ® Bewertung, Finanzierung und Verkaufsstrategie

Eine sorgfältige Preisfestlegung sollte aus unserer Sicht in mehreren aufeinander abgestimmten Schritten erfolgen.

Schritt 1: Ziele der Eigentümerschaft verstehen

Der maximal mögliche Preis ist nicht immer das einzige Ziel. Auch Zeitrahmen, Planungssicherheit, Diskretion und die gewünschte Übergabe beeinflussen die Verkaufsstrategie.

Schritt 2: Immobilie vollständig aufnehmen

Die Eigenschaften und Unterlagen des Objekts werden geprüft. Dazu gehören Lage, Zustand, Flächen, Grundstück, Renovationen, Rechte, Lasten und mögliche Potenziale.

Schritt 3: Statistische Werte vergleichen

Je nach Objekt werden mehrere banknahe beziehungsweise hedonische Bewertungen herangezogen. Abweichungen werden nicht ignoriert, sondern analysiert.

Schritt 4: Lokale Vergleichstransaktionen beurteilen

Tatsächlich erzielte Preise geeigneter Objekte helfen, die statistischen Werte in den lokalen Markt einzuordnen.

Schritt 5: Qualitative Besonderheiten berücksichtigen

Aussicht, Architektur, Privatsphäre, Besonnung, Grundriss und Ausbaustandard können den Wert erhöhen oder reduzieren.

Schritt 6: Finanzierbarkeit einschätzen

Der geplante Preis wird darauf geprüft, ob er voraussichtlich von einer ausreichend grossen Gruppe potenzieller Käufer finanziert werden kann.

Schritt 7: Angebotspreis und Verkaufsform festlegen

Erst danach werden Angebotspreis, Verhandlungsspielraum, Vermarktungsdauer und mögliche Verkaufsverfahren definiert.

Schritt 8: Marktreaktionen laufend auswerten

Nach dem Verkaufsstart werden Anfragen, Besichtigungen, Rückmeldungen, Finanzierungen und Angebote systematisch beobachtet.

So entsteht kein starres Preisversprechen, sondern eine nachvollziehbare und kontrollierte Verkaufsstrategie.

26. Häufig gestellte Fragen zur Preisreduktion bei Immobilien

Wie lange sollte man warten, bevor man den Immobilienpreis reduziert?

Dafür gibt es keine allgemeingültige Anzahl Tage. Entscheidend sind Nachfrage, Objektart, Region, Preiskategorie und die Qualität der bisherigen Vermarktung.

Erhält ein marktgängiges Objekt trotz hoher Sichtbarkeit über einen angemessenen Zeitraum kaum qualifizierte Reaktionen, sollte die Positionierung früh analysiert werden. Monatelanges Abwarten ohne neue Erkenntnisse verbessert die Situation selten.

Um wie viel sollte eine Immobilie reduziert werden?

Die Reduktion sollte nicht anhand einer pauschalen Prozentzahl festgelegt werden. Der neue Preis muss sich aus einer aktualisierten Bewertung, der Marktreaktion und der Finanzierungssituation ergeben.

Eine kleine kosmetische Reduktion ist wirkungslos, wenn die Immobilie weiterhin ausserhalb des realistischen Korridors liegt.

Sollte man den Preis mehrfach in kleinen Schritten senken?

In der Regel ist eine einzige fundierte Neupositionierung besser als mehrere kleine Reduktionen. Wiederholte Senkungen können Käufer dazu veranlassen, auf weitere Nachlässe zu warten.

Muss der Verkaufspreis dem Bankwert entsprechen?

Nein. Ein Verkauf oberhalb des Bankwerts ist grundsätzlich möglich. Die Käuferschaft muss die Differenz jedoch normalerweise mit zusätzlichen Eigenmitteln finanzieren können.

Je grösser die Abweichung, desto kleiner kann der Kreis finanzierungsfähiger Interessenten werden.

Sind zwei bis drei Bankschätzungen zwingend notwendig?

Sie sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Aus strategischer Sicht können mehrere unabhängige Einschätzungen jedoch sehr wertvoll sein, weil sie einen Finanzierungskorridor zeigen und einzelne Ausreisser sichtbar machen.

Die spätere Käuferbank führt trotzdem ihre eigene Prüfung durch.

Kann eine Bankbewertung die professionelle Immobilienbewertung ersetzen?

Nicht vollständig. Eine Bankbewertung ist ein wichtiger Bestandteil der Analyse, verfolgt aber primär einen Finanzierungs- und Risikozweck.

Eine professionelle Verkaufsbewertung berücksichtigt zusätzlich Objektbesonderheiten, lokale Nachfrage, Vermarktungsstrategie und das Verhalten möglicher Käufergruppen.

Ist ein tiefer Angebotspreis immer besser?

Nein. Auch eine zu tiefe Preisfestlegung kann Vermögen verschenken oder falsche Erwartungen erzeugen.

Der Preis sollte weder möglichst hoch noch möglichst tief sein. Er sollte strategisch richtig gewählt werden.

Kann ein Bieterverfahren eine Preisreduktion verhindern?

Ein Bieterverfahren kann bei hoher Nachfrage helfen, den Marktpreis strukturiert zu ermitteln. Es ersetzt jedoch keine fundierte Bewertung und funktioniert nicht automatisch bei jedem Objekt.

Was passiert, wenn die Immobilie bereits mehrfach reduziert wurde?

Dann sollte der bisherige Prozess grundsätzlich überprüft werden. Eine weitere Reduktion ohne neue Analyse kann die Verhandlungsposition zusätzlich schwächen.

Möglicherweise braucht es eine neue Bewertung, eine überarbeitete Präsentation, zusätzliche Unterlagen und eine vollständig neue Marktpositionierung.

Kann ein überhöhter Angebotspreis am Ende zu einem tieferen Verkaufspreis führen?

Das ist möglich. Wenn die Immobilie lange am Markt bleibt, an Attraktivität verliert und Käufer zunehmenden Verkaufsdruck vermuten, kann die Verhandlungsposition schlechter werden als bei einer realistischen Erstpositionierung.

Fazit: Eine Preisreduktion sollte die Ausnahme bleiben

Eine professionell durchgeführte Preisreduktion kann richtig sein, wenn neue Informationen vorliegen oder sich die Ausgangslage wesentlich verändert hat.

Wiederholte, vermeidbare Reduktionen sind jedoch häufig ein Zeichen dafür, dass die Immobilie zu Beginn nicht genau genug bewertet oder mit einer unrealistischen Preisvorstellung angeboten wurde.

Besonders wichtig ist heute, nicht nur nach einem theoretisch maximalen Marktpreis zu fragen. Der vorgesehene Verkaufspreis muss auch für eine ausreichend grosse Käufergruppe finanzierbar sein.

Zwei bis drei unabhängige banknahe Bewertungen können wertvolle Hinweise auf diesen Finanzierungskorridor geben. Sie dürfen jedoch weder blind gemittelt noch isoliert betrachtet werden. Erst gemeinsam mit lokalen Transaktionsdaten, einer persönlichen Objektbesichtigung, der qualitativen Beurteilung und einer passenden Verkaufsstrategie entsteht eine belastbare Preisempfehlung.

Für Eigentümer bedeutet dies:

Der richtige Preis schützt nicht nur vor einer späteren Preisreduktion. Er schafft Reichweite, stärkt die Nachfrage, verbessert die Verhandlungsposition und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Verkaufs.

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